Montag, 15. April 2013

Ricky Ricardo, mein Handy und ich




Erschienen:
März 2013 im Ueberreuter Verlag

Seiten:
288 als e-Book

Originaltitel:
Teil einer Serie?
Nein, ein Einzelband








Agatha (vonn ihren Freunden Aggie genannt) führt ein gemütliches Leben im sonnigen und warmen Miami bis ihr Vater einen Job ich verschneiten Alaska annimmt. So muss Agatha sich nicht nur an eine neue Schule und ein neues Klima gewöhnen, sondern auch daran, ihre Mutter, eine ehemalige Soap-Darstellerin, nun permanent um sich zu haben. Als ob das noch nicht schlimm genug wäre verliert sie auch noch ihr Handy und muss bald feststellen, dass ihr ehemaliger mobiler Begleiter ein aufregenderes Leben hat als sie.




Das Buch wurde mir von Amazon empfohlen und die Geschichte klang auch ganz lustig, deshalb habe ich mir das Buch dann auch als e-Book zugelegt. Ich wollte das Buch wirklich gut finden, aber leider konnte die Autorin mich so gar nicht vom lustigen Aspekt ihrer Geschichte überzeugen.



Das Cover finde ich jetzt nicht unbedingt besonders gelungen. Nichts weckt für mich daran das Interesse an der Geschichte.




Die Charaktere fand ich fast alle furchtbar. Es gab kaum einen, der mich wirklich begeistern konnte, was nicht zuletzt auch daran lag, dass so ziemlich jeder einzelne Charakter "Klischee, hier bin ich" geschrieen hat.

Agatha ist ein pumliges Mauerblümchen, die lieber den ganzen Tag faulenzt anstatt sich zu bewegen. Sie hat einen merkwürden Kleidungsstil und eine recht komische Ansicht, was manche Dinge betrifft. Als ich das erste Mal ihre Personenbeschreibung gelesen habe dachte ich, ich hätte Lisa Plenske aus "Verliebt in Berlin" vor mir.

Die halb Latina Aggie hat leider kaum Pfeffer im Hintern. Sie erinnerte mich eher an eine wandelnde Valiumtablette. Sie versteckt sich hinter ihrem Körpergewicht und scheint nicht mal zu versuchen etwas aus sich zu machen. In Miami schien ihre einzige 
Darseinberechtigung darin zu liegen die mollige beste Freundin einer hübschen Möchtegern-Barbie zu sein.

Am Schlimmsten aber fand ich es, dass Agatha sich öfters im Laufe der Geschichte gefragt hat "Was würde mein Handy tun?" oder sogar "Was würde mein Handy anziehen?". Ganz ehrlich was soll das denn???? Das hat nichts lustiges, sondern lässt vermuten, das die Protagonistin nicht mehr alle Tassen im Schrank hat.

Die Eltern von Aggie sind furchtbar klischeehaft. Eine aufgedrehte, oberflächliche Mutter, die den ganzen Tag wie eine angeknipste Irre über ihrer einzigen Tochter schwebt. Und, wie schon zu ahnen, schafft es unsere Protagonistin nicht den hohen Ansprüchen ihrer Mutter zu genügen.

Um das Bild der Klischeeamerikanerin zu vervollständigen trägt unsere Latina-Mutter den ganzen Tag einen verängstigten Chihuahua mit sich spazieren, den die natürlich zu jeder Gelegenheit passend ausstaffiert. Zusätzlich steht diese Frau sehr gerne im Mittelpunkt und tut einfach alles dafür, um beachtet zu werden.

Der Vater, der in dieser Geschichte ein Radio-Psychater ist, erscheint wenn überhaupt nur am Rande und scheint außer seinem gezwungen fröhlichen Charakter nichts weiter mitzubringen. Seine Tochter verlässt das Haus und kann auf die Frage wohin sie geht nur mit "ich weiß es nicht antworten". Ist ja ganz klar, dass ein verantwortungsbewusster Vater, wie dieser hier, sie kommentarlos abziehen lässt.

Was Agatha's neue Mitschüler betrifft, so jagt hier ein stereotyp den anderen. Denn natürlich verliebt sich Aggie schon am ersten Tag in den Schulschönling und natürlich klebt eine hinreißende Blondine an seiner Seite. Ich finde es sehr schade, dass nahezu kein Charakter eine eigene Persönlichkeit zu haben scheint und nur das Klischee bedient.




Den Schreibstil fand ich etwas sehr platt und viel zu aufgesetzt. Da das Buch aus Aggies Sicht geschrieben ist hat man wohl versucht auch den Schreibstil bewusst jugendlich zu halten, was meiner Meinung nach komplett nach hinten losgegangen ist. Es klingt an einigen Stellen wie gewollt und nicht gekonnt. 

Ansonsten war die Story zwar schnell und flüssig zu lesen, leider hat es ihr meiner Meinung aber an Tiefe und vor allem Humor gefehlt. Zwar versucht der Autor immer wieder lustige Szenen entstehen zu lassen und komische Dialoge einzubringen, aber wirklich lachen konnte ich weder über die Dialoge noch über die Szenen.

Gegen Ende hat dann Micol Ostow versucht noch etwas Action und Dramatik in die Handlung zu bringen, was ihr aber nicht gelungen ist. Der Geschichte fehlt es an Witz, Charisma und Timing.



Die Idee für die Handlung ist an und für sich nicht schlecht. Wie ergeht es einem Mädchen aus Miami, wenn es auf einmal aus seiner warmen und sonnigen Heimat fort muss und sich bald darauf in einem düsteren und verschneiten Kaff in Alaska wieder findet.

Die Umsetzung war leider nicht ganz so gut. Es hat mich doch sehr genervt und ermüdet nahezu auf jeder Seite lesen zu müssen, welche Figur Aggie hat und was an ihr unvorteilhaft aussieht und was nicht; dass sie viel lieber im Bett liegt als sich zu bewegen und wie sehr sie doch ihre beste Freundin vermisst, bei der sie keine Persönlichkeit haben durfte, aber als die dicke und lustige Freundin ein gutes Leben hatte.

Manchmal hätte ich mir wirklich gerne Aggie gegriffen und sie mal gründlich 
durchgeschüttelt, um ihr ihren naiven Blick auf die Wirklichkeit auszutreiben.

Während der Geschichte verliert Aggie dann auch noch ihr Handy, aber anstatt es zu suchen und es sich wiederzuholen begnügt sie sich damit es per GPS zu orten und zu verfolgen wo es sich überall aufhält. Ich habe mich dann oft gefragt, ob sie nicht einfach auf ihrem Handy anrufen kann um so heraus zufinden, wo sich ihr Smartphone befindet.

Die "Liebesgeschichte" zwischen Aggie und Torbin finde ich nicht gerade gelungen, denn in meinen Augen ist es keine. Aggie tut während der ganzen Story fast nichts anderes als ihn anzuschmachten (kommt aber so gar nicht aus dem Quark". Das er tatsächlich auch Interesse an ihr hat kommt nur ab und an kurz durch, ist aber eher ein flüchtiger Eindruck als etwas greifbares. Das die beiden dann am Schluss dann doch zusammen kommen war für mich dann doch etwas verwunderlich.



Ich hatte mir von "Ricky Ricardo, mein Handy und ich" eine lustige und leichte Geschichte versprochen. Leider konnten die Story und die Charaktere mich nicht überzeugen.





Cover: 2/5
Charaktere: 2/5
Schreibstil: 2/5
Handlung: 2/5


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